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By Simon Hecke

Theoretische Ausgangspunkte der Studie bilden Einsichten aus den frühen rechtssoziologischen Arbeiten Niklas Luhmanns, nach denen sich sowohl Rechtsbildungsprozesse auf den Systemebenen von Interaktion, corporation und Gesellschaft als auch Rechtsstrukturen verschiedener, sozialstrukturell korrelierter Rechtstypen unterscheiden lassen. Insbesondere der „älteren“ Rechtssoziologie Luhmanns – erstmals erschienen im Jahr 1972 – lassen sich ein pluralistischer Begriff sowie ein evolutionstheoretisches Entwicklungsmodell des Rechts entnehmen, die es erlauben, das Recht verschiedener Systemtypen bzw. die Rechtsstrukturen verschiedener Rechtstypen zu differenzieren und zu vergleichen. Vor dem Hintergrund dieser beiden Unterscheidungs- und Vergleichsmöglichkeiten qualifiziert sich das kanonische Recht – ein von der Soziologie bislang kaum eingehender untersuchter Gegenstand – zu einem ausgesprochen interessanten empirischen Phänomen. Zwei zentrale Eigenheiten des römisch-katholischen Kirchenrechts werden unter dem Blickwinkel einer systemtheoretisch informierten Rechtssoziologie in bemerkenswerter Weise sicht- und beschreibbar: Die Entwicklung des kanonischen Rechts von einem Gesellschaftsrecht zu einem Organisationsrecht im Übergang zur modernen Gesellschaft einerseits, die rechtsstrukturelle Eigentümlichkeit des kanonischen Rechts als ein Organisationsrecht in der modernen Gesellschaft andererseits.

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Et passim). Dieser Fokus auf Rollen und Programme Luhmanns (1964) entspricht der wiederum in der Rechtssoziologie formulierten These, nicht alle der genannten vier Identifikationsprinzipien ließen sich unter modernen Bedingungen auch juridifizieren (vgl. ): Personen schieden demnach unter dem Gesichtspunkt der Institutionalisierung, Werte unter dem der Normierung aus (vgl.  102). , Herv. i. “ Dies gilt für Gesell­ schafts- wie Organisationsrecht gleichermaßen. 1 Rechtspluralismus und pluralistischer Rechtsbegriff 31 Begriff zunächst noch nicht verwendet – die „Kongruenz“ der Generalisierung normativer Verhaltenserwartungen, sondern liegt in den systemspezifischen Voraussetzungen ihrer Herstellung begründet.

428). Doch wie auch im Falle der beiden anderen Systemtypen kann auch im Falle von Organisationen Politik dort „nicht ebenso stark ausdifferenziert werden wie Makropolitik im Gesellschaftssystem“ (vgl.  431). ).  E. 1 Rechtspluralismus und pluralistischer Rechtsbegriff 29 Rechtskonzeption verwenden. Unterschiedliche Grade an Ausdifferenzierung des Rechts verschiedener Sozialsystemtypen bedeuten auch hier nicht, die entsprechenden Prozesse der Rechtsbildung einzeln und isoliert betrachten und behandeln zu müssen.

Zur Raumgliederung der Kirche und ihrer Divergenz zu anderen, etwa politischen oder linguistischen „Mustern der räumlichen Ordnung“ im mittelalterlichen Europa vgl. auch Schmidt (1999, hier insb. ). 2 Von einem Gesellschafts- zu einem Organisationsrecht 41 auch festhält, dass keines dieser „nebeneinanderbestehenden Rechtssysteme“ – auch nicht jenes des kanonischen Rechts – für sich beanspruchte, „allumfassend oder allkompetent zu sein“ (vgl. ), so ist damit ein (im Falle der Kirche lange Zeit widerwilliger) Verzicht auf Allzuständigkeit, also eine Selbstbeschränkung in sachlicher Hinsicht, nicht jedoch der Institutionalisierungsgrad der Rechtssysteme, nicht deren „social support“ gemeint.

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