Download Pygmalion. Ein Impuls Ovids und seine Wirkungen bis in die by Heinrich Dörrie PDF

By Heinrich Dörrie

Dieser Untersuchung ist ein doppelter Zweck gesetzt: Sie soil zunachst an das vie1schichtige fabric heranfiihren. Dabei wird es lohnen, weit iiber das Gebiet der Altertumswissenschaft hinauszugreifen. Die vielfache Ver aste1ung, die das Motiv von Pygmalion in vielen Kunstgattungen erfahren hat, solI wenigstens teilweise nachgezeichnet werden. Hinter der bunten und oft erheiternden Fiiile, die somit auszubreiten ist, zeichnet sich alsdann eine Frage ab, die etwa so formuliert werden muB: Trifft das Postulat der Psychologen und der modernen Mythenforscher zu, daB sich in Marchen-Erzahlungen, in My then und Legenden Ur Erfahrungen oder Ur-Erlebnisse niederschlagen? GewiB wird in mythen artigen Erzahlungen oft genug etwas wie durch eine Chiffre ausgedriickt, und diese Chiffre kann aufgegriffen und wieder verwendet werden. Trifft es aber zu, daB der Sinn dieser Chiffren, wenn nicht objektiv, so doch mit feststellbarer selection feststeht? Mit anderen Worten: Haben wir es mit Archetypen zu tun, durch die sich regelmaBig, und bei im Ganzen geringer Variations-Breite, Gleiches ausdriickt? Wenn das zu bejahen ist, dann miiBte ein erfahrener Fachmann aIle M ythen entschliisseln, additionally mit Eindeutigkeit in die Ebene mitteilbarer Rationalitat iibersetzen konnen. 1 Und es ist wohl bekannt, daB dieser Anspruch mit Ernst und Zuversicht erhoben wird. 1 Es muG daran erinnert werden, daG Plutarch den gleichen Anspruch mit gleichem Ernst geltend machte, so besonders im Prooimion zu seiner Schrift De Iside et Osiride.

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Noch aber ist es nicht so weit; die Handlung ist so weit vorgeschritten, wie das der zit. Ovid-Vers festlegt. Das Bild muB als Zitat eben dieses Verses verstanden werden. Folgerichtig fehlt der Statue noch, was im Ovide moralise (vgl. oben S. 34) sens et entendement genannt wude: Sie blickt noch nicht; ihre Augen liegen blicklos in den Hohlen. Der Maler meint also nicht den Augenblick, da sich die nun lebende Frau dem Licht und dem Geliebten zuwendet; er will sie als die noch leblose Figur darstellen.

Rousseau eben dieses unmiBverstandlich bekundet, tritt das Faktum, daB J. J. Rousseau fur diese Frau den Namen GalatMe gewahlt hat. Alle seine Nachfolger haben das verstanden 6 - sei es, daB sie es respektiert, sei es, daB sie es mit Ironie travestiert haben. 5 6 Vgl. H. Dorrie: Die schone Galatea, 1968, 68ff. und 80f. Insbesondere ist auf den , Triumph der Galatea' von Raffael in der Farnesina zu Rom hinzuweisen, ferner auf das Finale von P. Calderon's ,EI mayor encanto: Amor' (aufgeftihrt 1635 im Park Buen Retiro bei Madrid): Da li:ischt Galatea die Flammen der Leidenschaft, die Kirke entfacht hatte.

Vor ihm ist J. L. Carr (vgl. unten S. 70) der engen Verzahnung dieses Themas mit Philosophischem nachgegangen. So wichtig es ist, diese Faden zu verfolgen, so nachdriicklich muB gesagt werden, daB der Komplex "Pygmalion" sich nicht auf der intellektuellen Ebene allein ausschopfen hBt; vgl. unten S. 52, Anm. 25. 48 Heinrich Dorrie den kiinstlichen Menschen vom natiirlichen Menschen unterscheiden miiBte, b) worin denn der kiinstliche Mensch den natiirlichen iibertreffen miiBte. Paradoxale Antwort: Der kiinstliche Mensch miiBte eigentlich natiirlicher sein als sein Schopfer.

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